Celle Ligure, 31. Oktober 2026
Was macht ein Bienenschwarm zwischen den Weinblättern – und das ausgerechnet Ende Oktober?
Am 31. Oktober standen wir plötzlich vor genau dieser Szene: eine dichte Traube aus Bienen, die eng aneinander zwischen den grünen Blättern hing. Wir hielten kurz inne, um sie ein paar Sekunden lang zu filmen. Dann kümmerten wir uns um das, was in diesem Moment wichtiger war: die Bienen in einer Beute unterzubringen, geschützt und mit Honigvorräten versorgt.
Ein Bienenschwarm Ende Oktober – warum?
Diese Frage haben auch wir uns sofort gestellt. Doch eine Gruppe von Bienen auf einer Pflanze zu sehen, reicht nicht aus, um zu wissen, weshalb sie ihr bisheriges Nest verlassen hat.
Dabei müssen wir zwei Situationen unterscheiden, die von außen ähnlich aussehen können:
- Schwärmen zur Vermehrung: Ein Teil der Bienen zieht mit der Königin aus, während der andere Teil des Volkes im Nest bleibt. Auf diese Weise teilt sich ein Bienenvolk, und ein neues entsteht.
- Vollständiges Verlassen des Nestes: Alle oder fast alle erwachsenen Bienen verlassen ihre bisherige Behausung gemeinsam mit der Königin. In diesem Fall kann der Auszug mit ungünstigen Bedingungen zusammenhängen.
Zu den möglichen Faktoren gehören Futtermangel, Störungen und gesundheitliche Probleme, darunter ein starker Varroabefall und damit verbundene Virusinfektionen. Das sind jedoch zunächst nur mögliche Erklärungen: Ohne das Herkunftsvolk zu kennen, können wir nicht sagen, ob einer dieser Faktoren bei diesen Bienen eine Rolle gespielt hat. Auch der Zeitpunkt allein reicht nicht aus, um ihren Auszug auf warme Temperaturen zurückzuführen.
Nicht nur die Kälte ist eine Herausforderung
Eine Bienentraube zwischen den Blättern ist nur eine vorübergehende Bleibe. Sie bietet nicht den Schutz einer Höhlung oder einer Beute und lässt die Bienen Wind und Regen ausgesetzt.
Zu dieser Jahreszeit ist die Suche nach einem neuen Zuhause nur ein Teil der Herausforderung. Ein Volk braucht außerdem Waben, Futtervorräte und genügend gesunde Bienen, um die kommenden Monate zu überstehen.
Ende Oktober ganz neu anzufangen bedeutet, dass weniger Zeit bleibt, um Waben zu bauen und Vorräte anzulegen. Gleichzeitig werden die Tage kürzer, und die Möglichkeiten zum Sammeln nehmen ab. Das milde Klima an der ligurischen Küste kann zwar noch günstige Flugtage bieten. Es garantiert aber nicht, dass sich ein neu angesiedeltes Volk ausreichend auf den Winter vorbereiten kann.
Ihre „Heizung“ wird mit Honig betrieben
Bienen haben eine erstaunliche Fähigkeit: Sie erzeugen durch Muskelaktivität Wärme und schließen sich bei Kälte zu einer sogenannten Wintertraube zusammen.
Dieses System braucht Energie. Hier kommt der Honig ins Spiel: Die Futtervorräte liefern den Brennstoff, den das Volk benötigt, um seine Lebensfunktionen während des Winters aufrechtzuerhalten.
Deshalb müssen Schutz und Vorräte zusammenkommen. Selbst eine gute Behausung allein kann weder Futtermangel ausgleichen noch die Schwierigkeiten eines zu kleinen oder geschwächten Volkes lösen.
Erst die Bienen, dann die Fotos
Das Foto und das Video zeigen den Moment der Entdeckung. Vom ersten Einfangen haben wir dagegen keine Bilder: Angesichts der Uhrzeit war es uns wichtiger, die Bienen unterzubringen.
Wir haben sie in einer Beute untergebracht, geschützt und mit Honigvorräten versorgt.
Imkerei bedeutet auch, sich in solchen Situationen um die Bienen zu kümmern. Wenn ein Volk sein Nest zu einer ungünstigen Jahreszeit verlässt, kann es schwierig werden, einen neuen Unterschlupf zu finden und genügend Vorräte zu sammeln. Die Gründe für den Auszug kennen wir dabei nicht immer. Kurz vor dem Winter können solche Schwierigkeiten das Überleben des gesamten Volkes gefährden.
Einzugreifen bedeutet, dem Volk eine zusätzliche Chance zu geben: einen geschützten Platz, Honigvorräte und die nötige Betreuung für die kalten Monate. Auch das gehört zu unserer Arbeit an der Seite der Bienen.
Die Unterbringung in der Beute ist ein erster Schritt. Wir werden weiter beobachten, wie sich das Volk einlebt und was es benötigt.
Zum Leben mit den Bienen gehören auch solche Begegnungen: eine Überraschung zwischen den Blättern, Fragen, auf die es keine vorschnellen Antworten geben sollte, und konkrete Hilfe, wenn sie gebraucht wird.
Wenn ihr einen Bienenschwarm findet
Haltet Abstand, haltet Kinder und Tiere fern und kontaktiert eine Imkerin oder einen Imker aus der Umgebung. Schüttelt keine Äste, besprüht die Bienen nicht mit Wasser und versucht nicht, sie selbst umzusiedeln. Das Einfangen eines Schwarms erfordert Erfahrung und die passende Ausrüstung.
Ileana und Jo · Beelly
Geschichten aus dem Bienenstock, Celle Ligure
Zum Weiterlesen
- The BeeMD — Verlassen des Nestes: Merkmale und mögliche Einflussfaktoren (Englisch)
- Cornell University — Vorbereitung und Überwinterung von Bienenvölkern (Englisch)
- University of California — Bienenschwärme, frei hängende Völker und ihre Umsiedlung (Englisch)
Der Moment der Entdeckung im Video
Die Geschichte geht weiter
Nachtrag vom 2. November: ein zweiter Umzug – diesmal in die Brombeeren
Zwei Tage nachdem wir die Bienen zum ersten Mal eingefangen hatten, verließen sie die Beute wieder. Zum Glück haben wir ihren Auszug bemerkt und konnten ihnen bis zu den Brombeersträuchern folgen, wo sie sich erneut zu einer Traube sammelten.
Einen besseren Platz hätten sie sich kaum aussuchen können … aus ihrer Sicht zumindest! Für uns waren es ein paar Dornen zu viel.
Wir schafften zunächst Platz, um an das Volk heranzukommen, und stellten eine provisorische Beute auf. Anschließend setzte Ileana die Bienen auf die für ihre endgültige Beute vorgesehenen Rähmchen um und versorgte sie mit Honigvorräten.
Wir haben sie ein zweites Mal eingefangen. Jetzt gönnen wir ihnen etwas Ruhe und betreuen sie weiter. Dabei beobachten wir, wie sie sich in ihrem neuen Zuhause einleben.
Dieses Mal konnten wir auch das Einfangen filmen. Bald zeigen wir euch, wie es gelaufen ist. 🐝